
was genau ist eigentlich vertrauen? mal ein definitionsversuch.
vertrauen ist ein elementares organisationsprinzip in zwischenmenschlichen austauschprozessen. [..] vertrauen kann definiert werden als eine „…freiwillige erbringung einer riskanten vorleistung unter verzicht auf explizite vertragliche
sicherungs- und kontrollmaßnahmen gegen opportunistisches verhalten in der erwartung, dass der vertrauensnehmer motiviert ist, freiwillig auf opportunistisches verhalten zu verzichten.“¹
an dieser definition fällt mir auf, dass vertrauen hier nichts ist, was im landläufigen sinne aufgebaut wird, sondern etwas, von dem man beschließt, dass man es hat. ich vertraue einem menschen in vorleistung und hoffe darauf, dass mein vertrauen nicht enttäuscht und bestenfalls sogar belohnt wird. so habe ich das auch mein leben lang gehalten. ich bin damit auf die nase gefallen und ich hatte auch viel glück.
die frage, die ich mir aber immer mal wieder stelle, ist: wie oft muss man enttäuscht werden, um zu erkennen, dass das vertrauen missbraucht wurde?
unser vertrauen wird immer mal wieder erschüttert. das vertrauen in die eltern, in die beste freundin, in den partner. das ist etwas mit dem wir wohl oder übel leben müssen. auch ich habe schon des öfteren das in mich gesetzte vertrauen nicht verdient. in meinem leben gibt es sowohl kleine notlügen, als auch große lügen. ich bin niemand, der menschen eine 2. chance verwehrt. wegen mir auch eine 3. die obige definition von vertrauen sagt aus, dass es freiwillig und ohne mögliche kontrolle in der erwartung von gegenseitigkeit gegeben wird. also muss man sich entscheiden trotz einer enttäuschung wieder zu vertrauen. so etwas wie den aufbau von vertrauen gibt es nach dieser definition nicht. man gibt es oder nicht.
wie soll man also das häufig genutzte „wiederaufbauen von vertrauen“ nach enttäuschungen verstehen? ist es ein lernen, dass wenn ich vertraue, ich nicht zwingend enttäuscht werde? aber dann habe ich im ersten schritt ja schon vertraut. es muss also unterschiedliche abstufungen im vertrauen geben. vertraue ich jemandem weit genug, als dass er mich wirklich zum vereinbarten zeitpunkt zum kaffee trifft oder vertraue ich jemandem so weit, dass ich mich in sein auto setzte und entspannt einschlafen kann. vertraue ich, dass der partner ehrlich ist oder vertraue ich, dass die nachbarin wirklich im urlaub meine blumen nicht vergisst zu giessen.
sollte die nachbarin es vergessen, geht es den blumen nicht so gut und ich weiß im nächsten urlaub frage ich sie nicht wieder. ende der geschichte. ist der partner nicht ehrlich wird die situation schon komplexer. ist es eine kleine unbedeutende lüge, hatte er einen sturztrunkenen one-night-stand oder eine wochenlange affäre? was ist die angemessene reaktion? wo ist der punkt, an dem man keinen weiteren vertrauensvorschuss mehr geben kann oder sollte?
¹ vgl http://schmengler.hoelterhoff.eu/anhang/Inhalt/Definitionen/Def_Vertrauen.pdf

da geht man früh, zu unchristlicher stunde zu seinem auto, um den neuen arbeitgeber mit der eigenen pünktlichkeit von der richtigkeit seiner entscheidung zu überzeugen und sieht schon auf den ersten blick, dass da was nicht stimmen kann. man war zwar schon etwas fertig beim abstellen des autos am vorabend, jedoch würde man sich erinnern, wenn man es noch durchwühlt hätte. oder? bestimmt!


sie sah zum himmel und erkannte, dass sie es nicht schaffen würde trocken nach hause zu kommen. dicke wolken zogen sich zu einer grauen masse zusammen, die das letzte licht der sonne zu verschlucken schien. schon landete der erste tropfen mit einem leisen *patsch* auf ihrer stirn. mit dem handrücken fuhr sie darüber und beschleunigte ihre schritte um doch noch halbwegs trocken zu bleiben. innerlich ärgerte sie sich, dass sie keinen schirm mitgenommen hatte. aus den gelegentlichen tropfen war inzwischen ein gleichmäßiger regen geworden, dessen prasseln die geräusche der straße verblassen ließ. sie sah sich nach einer möglichkeit um sich unter zu stellen, doch weit und breit bot sich nichts an. ihre langen blonden haare wurden schwer von der nässe und die ersten tropfen liefen ihr über die stirn. einer verirrte sich gar über den nasenrücken und tropfte von ihrer nase auf den gehweg. erneut fuhr sie mit den handrücken durch das gesicht und zog den kopf ein. in dieser leicht gebückten haltung ging sie die straße entlang und ärgerte sich über ihre nasse kleidung, die inzwischen began am körper zu kleben. sie hörte noch wie von hinten ein auto heran brauste, als sie schon von einem großen schwall wasser getroffen wurde, der wie eine fontäne von der straße heraufgeschossen kam. beinah entsetzt sah sie auto nach, unfähig zu reagieren. sie sah an sich hinab und bewegte die zehen in den durchweichten schuhen um das leise *quitsch*quatsch* darin zu hören. resignierend machte sie kehrt und ging die 20 meter zurück zu einem kleinen park. eher eine größere grünfläche mit ein paar bäumen und bänken. sie setzte sich auf eine bank und als sie sich anlehnte verzog sie kurz das gesicht, weil der nasse stoff des shirts sich an ihren rücken presste. mit geschlossenen augen saß sie so einige minuten und ließ den regen auf ihr gesicht, ihren hals und ihren ganzen körper prasseln. es waren große tropfen, wie bei einem gewitterregen. jedoch gab es keinen sturm. kein lüftchen zog an ihren sachen. langsam öffnete sie die augen um festzustellen, dass es inzwischen beinah dunkel war. der regen lief noch immer über ihr gesicht und hatte das makeup und den mascara verwaschen. überall auf den wegen hatten sich pfützen gebildet. jeder tropfen erzeugte kleine wellen, die sich gegenseitig schnitten und das wenige licht blinkend reflektierten. durch das leise prasseln hörte sie schritte, die sich näherten. sie waren für das wetter untypisch langsam, was sie neugierig machte. sie sah auf und kniff die augen zusammen um besser erkennen zu können wer da kam. ein alter mann mit einem schwarzen schirm lief allein durch den park und auf sie zu. als er sie ansah senkte sie beschämt den blick und griff automatisch nach ihrer tasche. aus dem augenwinkel verfolgte sie wie er näher kam und sich neben sie setzte. sie widerstand dem inneren impuls aufzuspringen oder zumindest weg zu rücken. mit einem mal spürte sie den regen nicht mehr und stellte beim blick nach oben fest, dass er den schirm über sie beide hielt. ein kleines lächeln huschte über ihr gesicht und sie nickte dem mann stumm zu. er nickte zurück und blickte dann einfach gedankenverloren geradeaus. so saßen sie dort. auf einer bank im regen unter einem schirm. als die laternen angingen stand er auf, lächelte sie an und sagte mit einer beinah zu jung klingenden stimme: „danke“. sie erwiderte ein wissendes nicken.






